Warum Camping und Fischen so gut zusammenpassen
Wer direkt am Wasser campt, fischt anders: entspannter, flexibler und oft deutlich erfolgreicher. Kein Stress mit Anfahrt, kein ständiges Ein- und Auspacken – du lebst praktisch auf deinem Angelplatz. Morgens vor dem Frühstück ein paar Würfe, abends noch eine ruhige Runde am Ufer: genau dafür sind Stellplätze direkt am Wasser ideal.
In der Schweiz gibt es überraschend viele Campingplätze, die Stellplätze mit Wasserzugang oder sogar direkten Uferplätzen anbieten. Die Unterschiede sind allerdings gross: mal ist das Ufer steil, mal flach und kinderfreundlich, mal darfst du direkt vor dem Zelt angeln, mal musst du 200 m laufen. Wer vorher plant, erspart sich vor Ort böse Überraschungen.
In diesem Artikel zeige ich dir, worauf du achten solltest, wie du gute Plätze findest und nenne konkrete Camping-Tipps quer durch die Schweiz – vom Bergsee bis zum grossen Mittellandsee.
Rechtliches: Darf ich direkt vom Campingplatz aus fischen?
Bevor wir über schöne Stellplätze sprechen, ein kurzer Realitätscheck: Nur weil dein Zelt am Wasser steht, heisst das nicht automatisch, dass du direkt davor fischen darfst.
Wichtige Punkte, die du immer abklären solltest:
- Fischerpatent: In fast allen Kantonen brauchst du ein Patent (Tages-, Wochen- oder Jahrespatent). Informier dich vorab beim zuständigen Kanton oder der Fischereiverwaltung.
- Uferrechte: Gewässer sind kantonal geregelt. Manchmal grenzt ein Camping an eine Schonzone oder ein privates Uferstück, wo Angeln verboten ist.
- Nachtangelverbot: Je nach Kanton oder Gewässer darfst du nur zu bestimmten Zeiten fischen. Nachtangeln ist nicht überall erlaubt.
- Schonzeiten & Mindestmasse: Diese variieren stark – besonders bei Bachforelle, Hecht und Zander. Kontrolleure schauen auf Campingplätzen gerne vorbei, weil dort viele Gastangler sind.
- Camping-interne Regeln: Einige Plätze beschränken das Fischen direkt am Badeufer oder wollen keine ausgelegten Ruten entlang des Hauptstrandes.
Mein Tipp: Bevor du buchst, schreib dem Camping ganz konkret:
„Darf man direkt vom Stellplatz bzw. Ufer des Campings aus fischen? Wenn ja, auf welcher Seite / in welchem Bereich?“
Die Antworten sind oft ehrlicher und genauer als die Werbetexte auf der Website.
Welche Stellplätze sind fürs Fischen wirklich geeignet?
„Direkt am Wasser“ klingt schön, kann aber alles bedeuten – von steiler Steinmauer bis zum perfekten Flachufer. Fürs Fischen achte ich auf drei Dinge:
- Zugang zum Wasser: Kannst du vernünftig werfen, keschern und landen? Ein hübscher Blick auf den See bringt nichts, wenn du nur über eine hohe Kante oder durch Schilf ans Wasser kommst.
- Wassertiefe & Struktur: Flache Uferzonen sind top für Weissfische, Hecht und Barsch. Grössere Tiefen in Wurfweite sind spannend für Seeforellen und Felchen.
- Störungsfaktor: Hauptbadestrand + viele SUPs = tagsüber eher schlechte Chancen. Für ernsthaftes Fischen lieber etwas abseits vom Zentrum des Betriebs.
Ich frage bei der Buchung oft nach „ruhigen Plätzen am Rand mit direktem Wasserzugang“ – damit umgehe ich die lautesten Ecken und habe bessere Fischchancen.
Praktische Ausrüstung für Camping & Fischen
Für einen Angel-Campingtrip brauchst du nicht den halben Angelshop. Aber ein paar Dinge machen das Leben am Stellplatz deutlich einfacher:
- Kompakte Ruten: Teleskop- oder 4-teilige Spinnrute (z. B. 5–25 g Wurfgewicht) und eine feine Allround-Stippe oder Matchrute für Weissfisch.
- Transport: Eine Rutenrolle oder ein Futteral, das auch im Vorzelt Platz hat. Lose Ruten im engen Camper sind nervig.
- Kleines Ufer-Setup: Klappstuhl, Rutenhalter (spike), Stirnlampe, kleiner Kescher und eine kompakte Abhakmatte, falls du Karpfen oder grössere Fische erwartest.
- Köderauswahl:
- Für Seen: kleine Gummifische, Wobbler und Spinner, dazu Maden, Würmer und Mais fürs Posen- oder Grundangeln.
- Für Flüsse: etwas schwerere Jigköpfe, schlanke Wobbler, kleine Blinker, Grundmontagen mit Wurm.
- Verarbeitung: Ein scharfes Messer, Brett, Gefrierbeutel und Kühlmöglichkeit. Fisch im Zelt ohne Kühlung ist keine gute Idee.
- Ordnung: Eine einzige gut organisierte Tacklebox statt fünf halbvoller Kisten. Im Camper zählt jeder Zentimeter.
Ich packe fürs Camping immer ein „Schlechtwetter-Set“ ein: kleines Sortiment an Gummis und Haken, das ich notfalls auch im Vorzelt neu montieren kann, ohne überall Kleinteile zu verlieren.
Regionen und konkrete Campingtipps am Wasser
Die folgenden Beispiele sollen dir einen Überblick geben, welche Typen von Plätzen es gibt und wofür sie sich eignen. Bitte prüfe vor jeder Reise die aktuellen Infos zu Patenten, Reglementen und Öffnungszeiten – diese ändern sich immer wieder.
Grossseen im Mittelland: Viel Fisch, viel Betrieb
Seen wie Thunersee, Vierwaldstättersee, Bielersee oder Neuenburgersee bieten grosse Fischbestände – Felchen, Hecht, Barsch, teils Zander und Seeforelle. Campingplätze liegen oft direkt am Ufer, aber die Nachfrage ist hoch.
- Typische Situation: Schöner Stellplatz mit Blick aufs Wasser, Badestrand, Bootsverleih, viele Familien. Tagsüber viel Betrieb, morgens und abends dafür oft top Fischerei.
- Ideal für:
- Angler, die Familie und Fischen kombinieren wollen.
- Spinnfischer auf Barsch und Hecht.
- Feinangler auf Weissfisch und gelegentlich Felchen (bei passender Tiefe).
Persönliche Erfahrung: Am Thunersee hatte ich auf einem Campingplatz am Rand des Dorfs morgens um 5 Uhr das Ufer komplett für mich. Die Barsche standen direkt an der Kante vorm Platz – kleine 5 cm-Gummis haben damals den Unterschied gemacht. Ab 9 Uhr war der Spot durch Badegäste praktisch „tot“.
Achte bei Grossseen auf:
- Windrichtung (ablandig ist für Uferangler oft schwieriger).
- Freie Wurfbahnen (keine Schwimminseln, Bojenketten oder abgesperrte Badezonen direkt vor dir).
- Möglichkeit, ein Ruderboot oder Pedalo zu mieten – für Felchen und Seeforellen ein grosser Vorteil.
Alpenseen: Klare Gewässer mit spannendem Fischbestand
Viele Bergseen verfügen über kleinere oder mittelgrosse Campingplätze in Seenähe. Beispiele sind Regionen wie Walensee, Sarnen-/Lungernsee, Brienzersee oder einige Walliser Seen mit Campingangebot.
Was diese Plätze auszeichnet:
- Klares Wasser: Sehr visuelle Fischerei. Kleine Fehler in der Montage werden „bestraft“.
- Spannende Zielfische: Seeforelle, Saibling, Seesaibling, aber teils auch Hecht und Barsch.
- Klimatisch: Nächte können auch im Sommer kühl werden – gute Schlafsäcke mitnehmen.
Hier erlebe ich oft, dass spontane Entscheidungen belohnt werden: Wenn der Wind umschlägt oder das Licht sich ändert, lohnt es sich, die Köderfarbe oder den Standort zu wechseln, auch wenn das Vorzelt gerade gemütlich wirkt.
Für Bergseen gilt:
- Kleine Wobbler und Blinker in natürlichen Farben immer dabeihaben.
- Leichte Spinnrute (5–20 g) reicht oft völlig aus.
- Patente rechtzeitig online lösen – viele Bergseen haben eigene Regelungen oder spezielle Kontingente.
Tessin & Südalpen: Camping, Wärme und aktive Fische
Im Tessin findest du entlang von Luganer- und Langensee mehrere Campingplätze direkt am Wasser oder in unmittelbarer Nähe zum Ufer. Der Charakter ist meist mediterraner: viel Sonne, wärmeres Wasser, viel Bootsverkehr im Sommer.
Anglerisch heisst das:
- Frühe Morgenstunden nutzen: Wenn das Wasser noch ruhig ist, sind Barsch und Hecht näher am Ufer.
- Leichte Spinnfischerei: Kleine Gummifische, Dropshot-Montagen und Wobbler funktionieren hier sehr gut.
- Boots-/Kayaknutzung: Viele Campingplätze haben Slipstellen oder Vermietungen – perfekt, um die uferfernen Kanten zu erreichen.
Ich plane im Tessin die Fischerei meist sehr konsequent in zwei Blöcken: Sonnenaufgang bis Frühstück, dann wieder ab spätem Nachmittag. Mittags ist Badezeit – für alle, inklusive der Fische.
Flüsse & Juragewässer: Stellplätze mit Fliesswasser-Feeling
Neben den klassischen Seen sind Stellplätze an Flüssen sehr spannend, etwa an Aare, Rhein oder Reuss, sowie kleineren Juragewässern. Nicht jeder Flussabschnitt bietet offiziellen Camping, aber es gibt immer wieder Plätze mit direktem Zugang zum Fliessgewässer.
Vorteile von Fluss-Stellplätzen:
- Stetige Strömung bringt Sauerstoff – Fisch ist fast immer „da“.
- Feinangeln mit Pose oder Grundblei ist sehr effektiv.
- Je nach Gewässer: Barben, Alet, Forellen, Hecht oder Zander möglich.
Worauf du achten musst:
- Sicherheit: Kinder nie unbeaufsichtigt am Ufer spielen lassen, Strömung und Pegel können schnell wechseln.
- Hochwasser: Im Frühling oder nach Starkregen kann der Wasserspiegel deutlich steigen – Zeltstandort mit Bedacht wählen.
- Schonstrecken: Viele Flussabschnitte sind ganz oder teilweise geschützt, z. B. laichende Äschen oder Forellen.
An Fliessgewässern nehme ich fast immer eine etwas längere Rute (3,30–3,90 m) mit, um Posen sauber zu führen und Distanzen besser zu überbrücken.
Wie du gute Stellplätze am Wasser findest
Die Suche nach dem perfekten Angel-Campingplatz ist heute deutlich einfacher als noch vor ein paar Jahren. So gehe ich typischerweise vor:
- Google Maps / Satellitenansicht: Campingplatz suchen, reinzoomen und prüfen:
- Wie nah stehen die Stellplätze wirklich am Wasser?
- Gibt es Schilfgürtel, Stege, Badezonen?
- Siehst du mögliche „ruhige Ecken“ am Rand?
- Webseite & Bewertungen lesen: Viele Gäste erwähnen, ob sich der Platz fürs Fischen eignet oder ob es eher ein „Party- oder Familiencamping“ ist.
- Direkte Anfrage: Kurz telefonieren oder mailen und gezielt nach Angelmöglichkeiten und Stellplätzen in Wassernähe fragen.
- Angelvereine vor Ort: Oft haben sie auf ihren Seiten Infos zu Patenten, guten Uferabschnitten und schonenden Praktiken.
Wenn ich mehrere Optionen habe, entscheide ich mich fast immer für den Platz, der etwas ruhiger und „unspektakulärer“ wirkt. Für Angler ist das meist die bessere Wahl als der grösste Camping mit Wasserrutsche und Animationsprogramm.
Tipps für den Angelalltag direkt am Stellplatz
Wenn du dein „Wohnzimmer“ so nah am Wasser hast, kannst du deine Fischerei optimal daran anpassen. Einige Punkte, die sich bei mir bewährt haben:
- Feste Angelzeiten einplanen: Z. B. morgens 2 Stunden vor dem Frühstück und abends 2–3 Stunden. So bleibt genug Familienzeit und du bist trotzdem zu den besten Beisszeiten draussen.
- Montagen abends vorbereiten: Rigs, Vorfächer und Köder schon im Vorzelt vorbereiten, damit du morgens nur noch losgehen musst.
- Respekt vor Nachbarn: Keine lauten Bissanzeiger mitten in der Nacht, Stirnlampe bewusst einsetzen, kein „Kettenwerfen“ direkt vor fremden Stellplätzen.
- Sauberkeit: Fischreste niemals einfach ins Gebüsch – das sorgt zuverlässig für Ärger. Entweder im Wasser weit draussen entsorgen (wo erlaubt) oder ordentlich verpacken und entsorgen.
- Kinder einbinden: Gerade Weissfischangeln mit Pose direkt am Ufer ist ideal, um Kinder ans Fischen heranzuführen. Kurze Sessions, einfache Montagen, schnelle Erfolgserlebnisse.
Ein Stellplatz direkt am Wasser ist ein Privileg. Wenn wir Angler uns dort rücksichtsvoll verhalten, bleiben solche Angebote langfristig erhalten – und davon profitieren am Ende alle.
Checkliste: So bist du für Camping & Fischen in der Schweiz gerüstet
Zum Abschluss eine kompakte Checkliste, mit der du deine nächste Tour planen kannst:
- Vor der Reise:
- Gewässer auswählen (See / Fluss / Bergsee) und Saison prüfen.
- Campingplatz mit tatsächlichem Wasserzugang suchen (Satellitenbild checken).
- Beim Camping nach Angelmöglichkeiten direkt am Platz fragen.
- Patent-/Lizenzbestimmungen des Kantons lesen und Patent reservieren oder online lösen.
- Schonzeiten, Mindestmasse und Fanglimiten notieren.
- Ausrüstung:
- Eine kompakte Spinnrute + eine Weissfisch- oder Allroundrute.
- Kleiner Kescher, Stirnlampe, Rutenhalter, Klappstuhl.
- Ausgewählte Köder für das Zielfisch-Spektrum deines Gewässers.
- Messer, Brett, Kühlmöglichkeit, Abhakwerkzeug.
- Regentaugliche Kleidung und ggf. warme Sachen für Bergregionen.
- Am Platz:
- Ruhezeiten des Campings respektieren.
- Feste Angelzeiten mit Familie/Partner absprechen.
- Angelplatz sauber halten und Fische waidgerecht behandeln.
- Bei Unsicherheit kurz beim Platzwart oder lokalen Anglern nachfragen – spart viel Zeit.
Camping und Fischen ergänzen sich hervorragend – vor allem in einem Land wie der Schweiz, wo du von grossen Voralpenseen bis zu kleinen Berggewässern fast alles findest. Mit etwas Planung kannst du Stellplätze nutzen, die dir echte „Tür-auf-und-losfischen“-Erlebnisse ermöglichen, statt nur schöner Aussicht vom Campingstuhl.