Top 10 fehler beim angeln, die auch erfahrene schweizer fischer noch machen

Top 10 fehler beim angeln, die auch erfahrene schweizer fischer noch machen

Auch nach Jahrzehnten am Wasser ertappe ich mich immer wieder bei denselben Denkfehlern. Und wenn ich mit anderen Schweizer Fischern unterwegs bin – ob am Walensee, an der Aare oder an einem kleinen Bergsee im Wallis – sehe ich: Viele dieser Fehler ziehen sich quer durch alle Erfahrungsstufen.

In diesem Beitrag zeige ich dir zehn typische Fehler, die auch erfahrene Schweizer Angler immer wieder machen – und vor allem, wie du sie konkret vermeiden kannst. Ohne Schnickschnack, dafür mit Beispielen aus der Praxis.

Falsche Spotwahl bei guten Bedingungen

Erfahrene Fischer verlassen sich gerne auf ihre „Stammplätze“. Das Problem: Fische halten sich nicht an unsere Gewohnheiten. Sie folgen Nahrung, Sauerstoff und Temperatur – nicht unseren Erinnerungen.

Typische Situation: Perfekter Morgen am See, leichter Wind, etwas Wellenkräuselung. Eigentlich ideale Bedingungen. Trotzdem bleibt der Kescher leer, weil du:

  • stur am immer gleichen Steg stehst,
  • nicht auf Windrichtung und Strömung achtest,
  • Strukturen im Wasser ignorierst (Kanten, Krautfelder, Steinpackungen).

Was du besser machst:

  • Wind als Verbündeten nutzen: Futter wird mit dem Wind getrieben. Ufer mit Wind drauf sind oft produktiver als windabgewandte Buchten.
  • Struktur suchen: Am See mit Echolot, am Fluss mit Polbrille – Kanten, Rinnen, Kehrwasser bringen Fische.
  • Flexibel bleiben: Wenn nach 30–45 Minuten nichts geht und du sicher bist, dass dein Setup passt: Platzwechsel.

Auch Profis machen hier denselben Fehler: Sie bleiben aus Bequemlichkeit am falschen Platz zu lange stehen.

Zu dicke Schnur „für alle Fälle“

„Lieber etwas stärker, man weiss ja nie“ – dieser Gedanke kostet jedes Jahr etliche Fische. Gerade in klaren Schweizer Gewässern ist die Schnurstärke oft entscheidend.

Was ich häufig sehe:

  • 0.25er–0.30er Mono auf Forelle in glasklaren Bergbächen,
  • zu dicke geflochtene Schnur beim Spinnfischen auf Egli oder Seeforelle,
  • Vertrauen auf „die eine Allround-Schnur“ für alles.

Folgen:

  • weniger Bisse bei vorsichtigen Fischen,
  • schlechteres Köderspiel (Wobbler laufen zu flach, Gummifische bewegen sich unnatürlich),
  • häufigeres Aushebeln im Drill, weil die Schnur nicht genug Dehnung (oder zu viel) hat.

Praxisorientierte Richtwerte für Schweizer Verhältnisse:

  • Bachforelle im klaren Bach: 0.14–0.18 mm Fluorocarbon-Vorfach, Hauptschnur je nach Technik 0.16–0.20 mm Mono oder 0.06–0.08 mm Geflecht.
  • Egli am See: 0.06–0.08 mm Geflecht mit 0.18–0.22 mm Fluorocarbon-Vorfach.
  • Hecht: 0.12–0.16 mm Geflecht und stabiles Stahl- oder Titanvorfach.

Die Kunst ist, so dünn wie möglich und so stark wie nötig zu fischen – nicht umgekehrt.

Köderwechsel statt Systemwechsel

Viele erfahrene Fischer verfallen in einen Reflex: Wenn nichts geht, wird der Köder gewechselt. Dann der nächste, dann wieder einer – aber:

  • gleiche Tiefe,
  • gleiche Geschwindigkeit,
  • gleiche Führung.

Nur die Farbe oder der Wobbler-Typ wechselt selten das Blatt allein, wenn das System nicht passt.

Was du stattdessen variierst:

  • Tiefe: Vom Oberflächenwobbler auf tieflaufende Modelle wechseln, vom leichten auf schwereren Jigkopf, vom Schleppen im Freiwasser ans Grundnahe.
  • Geschwindigkeit: Bewusst viel langsamer oder schneller führen, Pausen einbauen, Stop-and-Go, Zupfer.
  • Präsentation: Statt aktiv: mal mit Naturköder passiv anbieten. Oder umgekehrt: vom toten Köderfisch auf aktiv geführten Gummifisch umsteigen.

Ein Beispiel vom Zürichsee: Stundenlang ohne Biss mit mitteltief laufenden Wobblern beim Schleppen. Der Gamechanger war nicht der Farbwechsel – sondern 10–15 Meter mehr Tiefe mit Vorschaltblei. Plötzlich waren die Fische da.

Ignorieren von Kleinstsignalen am Wasser

Je erfahrener wir werden, desto öfter glauben wir: „Ich kenne diesen See/Fluss, ich weiss wie es läuft.“ Dabei übersehen wir:

  • kleine Raubaktionen an der Oberfläche,
  • einzelne springende Weissfische,
  • dezent aufsteigende Blasenketten,
  • leichte Farbunterschiede im Wasser (Einläufe, Kanten).

Das sind oft Hinweise auf:

  • Nahrungsansammlungen,
  • Temperaturunterschiede,
  • Unterströmungen,
  • versteckte Strukturen.

Ein Beispiel von der Aare: Ein schwacher Wirbel hinter einem scheinbar unspektakulären Stein. Fast unsichtbar. Dort habe ich schon mehr kapitale Barben gefangen als an manch „perfekter“ Rausche. Die Devise: Öfter mal stehen bleiben, beobachten, bevor du einfach „deine“ Bahn abfischst.

Wetter und Wasserwerte unterschätzen

„Heute ist Samstag, also gehe ich fischen“ – verständlich, aber nicht immer schlau. Viele Fischer schauen nicht:

  • auf den Luftdruckverlauf,
  • auf Wasserstand und Abfluss,
  • auf Wassertemperatur,
  • auf plötzliche Wetterwechsel.

Typische Fehler:

  • Bei stark fallendem Pegel an der Aare dieselben Stellen wie bei Normalwasser fischen.
  • An Hitzetagen am Nachmittag auf Forelle im Unterlauf statt frühmorgens an kühlere Zonen auszuweichen.
  • Nach einer Gewitterfront mit massiv steigender Trübung nicht auf auffällige oder grösser dimensionierte Köder umzustellen.

Praktische Tipps:

  • Apps nutzen: MeteoSchweiz, hydrodaten.admin.ch (Pegel, Abfluss), einfache Thermometer für die Wassertemperatur.
  • Zielfisch nach Bedingungen wählen:
    • Hecht und Zander vor Fronten und bei leichtem Druckfall,
    • Forelle bei stabilen Verhältnissen und moderaten Temperaturen,
    • Egli oft bei leichtem Wind und etwas Wellenkräuselung.
  • Hot oder Not akzeptieren: Manche Tage sind einfach zäh – dann lieber kürzer, aber gezielt fischen statt stundenlang „durchziehen“.

Schlechte Vorbereitung und Materialpflege

Erfahrene Fischer besitzen oft viel Material – aber nicht alles ist fischbereit. Die Folge: Ausgerechnet der eine Tag mit Top-Bedingungen wird verschenkt, weil:

  • Haken stumpf sind,
  • Ringe beschädigt oder korrodiert sind,
  • Rollen rucken,
  • Schnurknoten alt und spröde sind.

Das sind keine Anfängerprobleme, sondern Klassiker bei viel genutztem Tackle.

Routine, die ich selbst anwende:

  • Nach jedem Trip: Ruten und Rollen kurz abspülen (besonders nach Brackwasser), trocknen, grob prüfen.
  • Regelmässig:
    • Schnur auf Abrieb prüfen und bei Bedarf 10–20 Meter abschneiden,
    • Haken mit Feile nachschärfen oder tauschen,
    • Rollen leicht ölen (nicht ersäufen!),
    • Bremsen einmal komplett lösen und wieder einstellen.

Gerade bei starken Fischen wie Seeforellen oder Hechten ist Materialversagen oft hausgemacht – und vermeidbar.

Zu wenig Anpassung an Schweizer Reglemente

Die Schweizer Fischereigesetze sind kantonal unterschiedlich und teilweise komplex. Viele erfahrene Fischer glauben: „Ich kenne die Regeln.“ Dann werden sie überrascht von:

  • neuen Mindestmassen,
  • angepassten Schonzeiten,
  • Geräte- oder Köderverboten an bestimmten Gewässern,
  • spezifischen Vorschriften in Pachtstrecken oder Schutzgebieten.

Gefährlich wird es, wenn Routine zu Nachlässigkeit führt. Beispiele:

  • Mit totem Köderfisch an einem Gewässer fischen, wo dieser verboten ist.
  • Fangstatistik unvollständig ausfüllen, weil man „nur kurz“ am Wasser war.
  • Schonmass von bspw. Egli oder Hecht im Nachbarkanton verwechseln.

Was du tun solltest:

  • Vor jeder Saison das aktuelle Reglement des Kantons (und der Pachtstrecke) lesen.
  • Die wichtigsten Bestimmungen für dein Zielfisch-Spektrum als Notiz im Handy speichern.
  • Fangstatistik immer sofort und sauber führen – nicht „am Abend nachtragen“.

Das schützt nicht nur vor Bussen, sondern ist auch eine Frage von Respekt gegenüber Fischbestand und Fischerei-Rechten.

Falscher Umgang mit Fang und Fangquoten

Ein Fehler, der nicht nur den Erfolg, sondern auch das Gewissen betrifft: Wir nehmen entweder zu viel oder das Falsche mit. Selbst erfahrene Fischer:

  • halten kapitale Laichfische zu oft zurück,
  • nehmen jeden massigen Fisch mit „weil er ja erlaubt ist“,
  • setzen Fische unsachgemäss zurück (zu lange an der Luft, unsauberer Umgang).

In vielen Schweizer Gewässern sind grosse Laichfische wichtig für den Bestand. Gleichzeitig gehören massige Fische auch mal in die Pfanne – aber mit Augenmass.

Praktische Leitlinien:

  • Vorab entscheiden: Gehe ich heute fischen zum Verwerten oder vor allem zum Erleben/Üben? Das beeinflusst deine Auswahl an Fischen, die du mitnimmst.
  • Mindestmass ist nicht „Zielmass“: Viele Arten schmecken in mittleren Grössen besser und sind für den Bestand weniger kritisch.
  • Catch & Release bewusst und sauber:
    • Fische im Wasser abhaken, wo möglich,
    • nasse Hände, kein Quetschen,
    • nur kurz fürs Foto hochheben – wenn überhaupt.

Der Fehler liegt selten im Einzelfall, sondern in der Summe vieler schlechter Entscheidungen über eine Saison hinweg.

Überkomplexe Montagen und Köderorgien

Mit wachsender Erfahrung wächst oft auch der Köder- und Montagen-Fuhrpark. Das kann helfen – oder bremsen. Häufig sehe ich:

  • angelkofferweise Gummifische, aber keine klare Strategie,
  • überladene Vorfächer beim Naturköderangeln,
  • Montagen mit „Sicherheit über alles“ – die dann unauffällig und träge laufen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Am Bergsee mit der Hegene auf Saibling. Einige Fischer fischen 5–6 Nymphen, verschiedenste Farben, Perlen, alles wild gemischt. Daneben einer mit drei identischen, dezent gefärbten Nymphen – und der fängt konstant.

Was meistens besser funktioniert:

  • Weniger ist mehr: Lieber wenige, aber erprobte Köder in passenden Grössen und Farben.
  • Saubere, einfache Montagen:
    • Einfaches Vorfach statt komplizierter Knotenorgie,
    • so wenig Metall und „Geraffel“ wie möglich,
    • Bewegungsfreiheit für den Köder im Vordergrund.
  • System statt Zufall:
    • Ein Schema zum Testen: erst Tiefe, dann Geschwindigkeit, dann Ködertyp,
    • Veränderungen bewusst und einzeln vornehmen.

Überkomplexität beruhigt oft nur unser Ego – die Fische überzeugt meistens das einfache, sauber präsentierte Angebot.

Kein systematisches Lernen aus eigenen Fängen

Viele erfahrene Fischer erinnern sich grob: „Da habe ich mal eine schöne Seeforelle gefangen… irgendwann im Frühling.“ Aber ohne Details ist dieses Wissen wenig wert.

Verschenkt wird:

  • die Chance, Muster zu erkennen (Zeiten, Wetter, Wasserstand),
  • die Entwicklung von wirklich funktionierenden Strategien,
  • die Möglichkeit, Fehlentscheidungen zu vermeiden, die man schon einmal gemacht hat.

Ich empfehle eine einfache, aber konsequente Dokumentation. Das muss kein Roman sein. Hilfreiche Daten:

  • Datum, Uhrzeit, Gewässerabschnitt,
  • Art, Länge, geschätztes Gewicht,
  • Wetter, Wasserstand, Wassertemperatur (wo möglich),
  • Köder, Tiefe, Führung, Besonderheiten (z.B. Insektenschlupf, Sichtungen von Futterfischen).

Ob im Notizbuch, in einer Excel-Tabelle oder in einer simplen Handy-App: Nach zwei, drei Saisons erkennst du plötzlich klare Muster – etwa, dass deine besten Seeforellen-Fänge an bestimmten Windrichtungen oder Bewölkungszuständen passieren.

Abschliessende Gedanken: Fehler als Werkzeug nutzen

Fehler gehören zum Fischen wie der Nebel zum Herbstmorgen am See. Entscheidend ist nicht, ob wir sie machen – sondern, ob wir aus ihnen etwas ableiten.

Wenn du dich bei einigen der beschriebenen Punkte wiedergefunden hast: Das ist ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass du dir Gedanken machst und bereit bist, Routinen zu hinterfragen. Genau das unterscheidet einen „Fischbesitzer“ von einem wirklichen Fischer.

Beim nächsten Ansitz oder Spinnfischen in der Schweiz kannst du dir gezielt zwei, drei Aspekte vornehmen:

  • Spots bewusster nach Struktur und Wind wählen,
  • Schnur und Vorfach passender auf Zielfisch und Gewässer abstimmen,
  • Systematisch statt willkürlich variieren (Tiefe, Tempo, Präsentation),
  • Beobachtungen und Fänge kurz notieren, um langfristig Muster zu erkennen.

Am Ende sind es selten die geheimen Köder oder „Wunderplätze“, die den Unterschied machen, sondern saubere Basics, konsequent angewendet – Saison für Saison, Gewässer für Gewässer.