Nachtangeln auf wels und zander in der schweiz: ausrüstung, sicherheit und hotspots

Nachtangeln auf wels und zander in der schweiz: ausrüstung, sicherheit und hotspots

Nachts am Wasser zu stehen, wenn der Nebel über dem Fluss hängt und irgendwo in der Dunkelheit ein Wels wälzt – das ist für viele der Moment, in dem Angeln in der Schweiz richtig spannend wird. Wels und Zander sind typische Nachtjäger, und wer sie gezielt fangen will, kommt um die Dunkelheit nicht herum.

In diesem Beitrag zeige ich dir praxisnah, wie du in der Schweiz erfolgreich auf Wels und Zander bei Nacht angelst: Welche Ausrüstung wirklich Sinn macht, worauf du bei der Sicherheit achten musst und welche Schweizer Gewässer sich besonders anbieten.

Warum Nachtangeln auf Wels und Zander in der Schweiz so reizvoll ist

Wels und Zander gehören zu den spannendsten Zielfischen, die wir hierzulande beangeln können:

  • Der Wels ist der grösste einheimische Süsswasserfisch und kann in einigen Schweizer Gewässern beeindruckende Grössen erreichen.
  • Der Zander ist ein vorsichtiger, lichtscheuer Räuber, der oft erst in der Dämmerung und Nacht richtig aktiv wird.
  • Tagsüber sind beide Arten meist deutlich schwieriger zu überlisten. In der Dunkelheit kommen sie flacher, ziehen näher ans Ufer und lassen sich gezielter befischen. Gleichzeitig steigen aber auch die Anforderungen an Material, Planung und Eigenverantwortung.

    Ein wichtiger Punkt vorneweg: Informiere dich immer über die gesetzlichen Bestimmungen im jeweiligen Kanton. Schon die einfachen Fragen – ist Nachtfischen erlaubt, welche Montagen sind zulässig, wie viele Ruten sind gestattet – werden in der Schweiz sehr unterschiedlich gehandhabt.

    Gesetzliche Rahmenbedingungen: Was du vorab klären musst

    Bevor wir ins Detail gehen, ein kurzer Überblick über das, was du unbedingt checken solltest:

  • Ist Nachtangeln im betreffenden Kanton bzw. Gewässer erlaubt?
  • Gibt es zeitliche Einschränkungen (z.B. Verbot zwischen 24 und 4 Uhr)?
  • Wie viele Ruten sind erlaubt, und welche Methoden (Naturköder, Kunstköder, Köderfisch)?
  • Schonzeiten und Mindestmasse für Wels und Zander
  • Besondere Schutz-, Naturschutz- oder Uferzonen mit Betretungsverbot
  • Die kantonalen Fischereiverordnungen sowie die Regeln der jeweiligen Pachtvereine sind hier Pflichtlektüre. Viele Kantone veröffentlichen digitale Karten, in denen Sonderzonen markiert sind – nutze sie. Gerade beim Nachtangeln willst du keine Diskussion mit dem Aufseher mitten in der Nacht.

    Grundausrüstung für sicheres Nachtangeln

    Im Dunkeln verzeiht das Material weniger Fehler. Gleichzeitig willst du nicht mit einem halben Angelgeschäft am Wasser aufschlagen. Sinnvoll ist eine robuste, aber fokussierte Ausrüstung.

    Für Wels und Zander lohnt sich eine Kombination aus zwei Setups:

  • Ein stärkeres Wels-Setup für Grundmontagen mit Naturköder
  • Ein leichteres bis mittleres Zander-Setup für Kunst- oder Köderfisch
  • Typische Kombination, die sich in der Praxis bewährt hat:

  • Welsrute: 2,7–3,0 m, Wurfgewicht 150–300 g, kräftige Steckrute
  • Welsrolle: stabile Freilauf- oder Stationärrolle (Grösse 6000–8000), zuverlässige Bremse
  • Hauptschnur Wels: geflochten, 0,35–0,45 mm (ca. 30–50 kg Tragkraft)
  • Zanderrute: 2,4–2,7 m, Wurfgewicht 20–60 g (je nach Methode)
  • Zanderrolle: 2500–4000er Stationärrolle
  • Hauptschnur Zander: geflochten 0,10–0,14 mm oder Mono 0,25–0,28 mm
  • Für beide Setups gilt: Lieber etwas Reserve einplanen. Ein kapitaler Wels interessiert sich nicht dafür, dass du eigentlich nur auf Zander jiggen wolltest – der hängt dann trotzdem am Köder.

    Spezielles Tack­le für die Nacht: Was wirklich hilft

    Im Dunkeln ändern sich die Spielregeln. Plötzlich sind Kleinigkeiten wie leise Rollen, gute Knoten und robuste Kleinteile entscheidend, weil du Fehler viel schlechter korrigieren kannst.

    Empfohlenes Kleinteile-Tackle:

  • Leuchtglocken oder elektronische Bissanzeiger (für Grundmontagen)
  • Knicklichter für Rutenspitze oder Posen
  • Helle, gut sichtbare Schnur (zumindest als Vorfach bei der Zanderangelei)
  • Stabile Wirbel und Karabiner (mind. 50 kg Tragkraft für Wels)
  • Vorfachmaterial Wels: abriebfeste Mono 0,90–1,0 mm oder spezielles Welsvorfach
  • Vorfachmaterial Zander: Fluorocarbon 0,30–0,35 mm
  • Scharfe Haken mit grosser Öse, für Wels meist Einzelhaken oder Drillinge Grösse 2/0–6/0
  • Stabile Banksticks oder Rod Pod, das auch einen Welsbiss aushält
  • Was ich bei Nacht ausdrücklich empfehle: alles doppelt checken. Knoten sorgfältig binden, jede Montage einmal „blind“ anfassen, damit du sie bei einem Hänger oder Vorfachwechsel auch im Schein der Stirnlampe sofort verstehst.

    Köderwahl: Was Wels und Zander nachts wirklich mögen

    Wels und Zander unterscheiden sich deutlich im Fressverhalten, vor allem bei Nacht. Entsprechend musst du deine Köder anpassen.

    Köder für Wels:

  • Köderfische (lebend nur, wo gesetzlich erlaubt, sonst tot)
  • Stücke von Fischen (Filetstreifen, Fischköpfe)
  • Würmer (Dendrobenas, Tauwürmer, Wurmbündel)
  • Stark riechende Naturköder (z.B. Leber, je nach Gewässer und Regelung)
  • Wels orientiert sich stark über Geruch und Vibration. Deshalb dürfen die Köder gerne gross und auffällig sein. In trüberen Flüssen haben mir Wurmbündel kombiniert mit einem Fischfilet-Streifen schon mehrfach die grösseren Fische gebracht.

    Köder für Zander:

  • Gummifische, meist 8–14 cm, schlanke Shads oder V-Tails
  • Köderfisch am Grund oder an der Posenmontage (wo erlaubt)
  • Wobler mit dezenter Aktion, langsam geführt
  • Nachts fische ich Zander meist deutlich langsamer als am Tag. Der Köder darf ruhig länger im „Hotspotfenster“ stehen, kurze Sprünge über Grund, dann wieder Pausen. Oft kommen die Bisse genau in diesen Stillstandsphasen.

    Montagen für die Nacht: Einfach und robust

    Im Dunkeln haben komplizierte Montagen nichts zu suchen. Was du brauchst, sind einfache, zuverlässige Aufbauten, die du schnell wechseln und im Notfall sogar im Halbdunkel neu basteln kannst.

    Bewährte Wels-Montagen:

  • Grundmontage mit Stein oder Blei – klassische Laufmontage mit schwerem Blei (80–200 g, je nach Strömung) oder Stein mit Gummiband, robustes Vorfach 60–100 cm, grosser Einzelhaken oder Drilling.
  • Unterwasserposen-Montage – besonders im Fluss, um den Köder leicht über Grund schweben zu lassen; gut für tote Köderfische.
  • Bewährte Zander-Montagen:

  • Gummifisch-Jig – simpel, flexibel, ideal zum Absuchen von Kanten und Drop-offs.
  • Grundmontage mit Köderfisch – Laufblei, Wirbel, Fluorocarbon-Vorfach, Einzelhaken durch Maul und Rücken oder Schwanz.
  • Durchlaufpose bei Nacht – mit Knicklicht bestückt, Köderfisch knapp über Grund präsentiert.
  • Wichtiger als die perfekte Theorie ist, dass du mit der Montage sicher umgehen kannst und weisst, wie sie sich im Wasser verhält. Am besten baust du deine Montagen zu Hause in Ruhe auf und testest sie am Tag einmal im flachen Wasser.

    Licht, Orientierung und Sicherheit am Wasser

    Die grössten Probleme beim Nachtangeln entstehen selten durch Fische – sondern durch fehlende Planung. Dunkelheit macht einfache Wege plötzlich tückisch: rutschige Steine, Böschungen, Strömungskanten.

    Ohne das solltest du bei Nacht nicht ans Wasser:

  • Stirnlampe mit Rotlichtmodus (schont Nachtsicht und stört weniger)
  • Reservebatterien oder zweite Lampe
  • Handlampe mit stärkerem Lichtkegel (für Uferkontrolle, Landung etc.)
  • Erste-Hilfe-Set in der Tasche oder im Rucksack
  • Handy mit geladenem Akku und gespeicherten Notfallnummern
  • Warme, wetterfeste Kleidung, Mütze, ggf. Handschuhe
  • Rutschfeste Schuhe oder Watschuhe mit gutem Profil
  • Wichtig ist auch, wie du deinen Angelplatz organisierst. Im Dunkeln willst du nicht über Gerät stolpern oder beim Anhieb in den Kescher treten.

    Praxis-Tipps für die Platzorganisation:

  • Angelplatz bereits im Hellen wählen und sondieren
  • Ruten immer an derselben Stelle ablegen oder fest im Rod Pod
  • Kescher und Abhakmatte immer griffbereit rechts oder links der Ruten
  • Tackle-Tasche hinter dir, nicht zwischen dir und dem Wasser
  • Ein kleiner „Arbeitsbereich“ mit schwachem Dauerlicht (Campinglampe, Laterne, gedimmt)
  • Gerade an Flüssen mit Strömung und hohem Ufer (Aare, Rhein) gilt: Nie zu nah an die Kante, nicht unnötig auf nasse Steine klettern, und im Zweifelsfall einen Spot wählen, der eine einfache Flucht nach hinten zulässt.

    Drill und Landung: Wenn der Wels in die Bremse fährt

    Welsdrills bei Nacht können sehr eindrücklich werden. Das erste Abziehen in die Dunkelheit, die Rute im Halbkreis, Schnur geht weg – das ist nichts, was man mal eben nebenbei macht.

    Beim Drill auf Wels solltest du beachten:

  • Rolle so einstellen, dass sie zwar Schnur freigibt, aber nicht völlig frei dreht
  • Drill kontrolliert führen, keine Hauruck-Aktionen
  • Andere Ruten möglichst schnell einholen, um Schnursalat zu vermeiden
  • Kescher oder Wallergriff nur anwenden, wenn du dich dabei nicht in Gefahr bringst
  • Bei grossen Fischen gilt: Sicherheit geht vor. Wenn der Fisch an einer steilen Böschung nicht vernünftig zu landen ist, ist es besser, ihn notfalls direkt am Vorfach abzuschlagen (wo erlaubt) oder auszudrillen und im Wasser zu lösen, als sich selbst zu gefährden.

    Zander sind hier deutlich entspannter – aber auch beim Landen eines guten Fisches auf rutschigen Steinen kann man sich schneller verletzen als gedacht. Eine Stirnlampe mit ausreichend Licht in Landungsnähe ist Pflicht.

    Hotspots für Nachtangeln auf Wels und Zander in der Schweiz

    Genauere Spotangaben sind immer heikel, denn Bedingungen ändern sich, Bewirtschafter wechseln, und Druck auf die Fische steigt. Trotzdem lassen sich klare Tendenzen erkennen, wo sich eine nächtliche Session besonders lohnt.

    Wels-Hotspots (typische Gewässertypen):

  • Untere Aare – tiefe Gumpen, Wehre, langsame Rückläufe; Wels ist hier längst kein Exot mehr.
  • Rhein (v.a. Hochrhein und bestimm­te Staubereiche) – tiefe Rinnen, Buhnenfelder, Hafenbereiche.
  • Grosse Stauseen – Alpnachersee, Bielersee, Teile der Juraseen; vor allem in strukturreichen Zonen mit Flusseinlauf.
  • Zander-Hotspots (typische Strukturen):

  • Stauseen und Flachwasserzonen mit Steinpackungen und Kanten (z.B. im Mittelland)
  • Flussabschnitte mit langsameren Zonen, Buhnen und Kehrströmungen
  • Hafen- und Industrieanlagen (wo das Fischen erlaubt ist), oft mit Kunstlicht, das Beutefische anzieht
  • Entscheidend beim Nachtangeln ist weniger der exakte „Geheimspot“ als das Verständnis für Struktur:

  • Übergänge von flach zu tief (Kanten)
  • Bereiche mit Steinpackungen, versunkenen Bäumen oder Hindernissen
  • Einläufe, kleinere Bäche, Warmwassereinläufe
  • Buchten mit wenig Strömung nahe an der Hauptströmung
  • Wels steht oft in tieferen Rinnen und Gumpen, zieht nachts aber erstaunlich flach. Zander patrouillieren bevorzugt entlang von Kanten und Steinpackungen – hier lohnt es sich, in der Nacht systematisch zu fächern.

    Beispiel-Sessions: Praxisnahe Setups für eine Nacht

    Damit du dir das Ganze besser vorstellen kannst, zwei kurze Szenarien, wie eine Nacht am Wasser konkret aussehen kann.

    1. Nacht auf Wels an der Aare

  • Zeitraum: Frühsommer bis Spätsommer, warmes Wasser, stabile Wetterlage
  • Spot: Tiefer Gumpen unterhalb eines Wehrs, mit Rücklauf und ruhiger Randzone
  • Aufbau: Zwei Welsruten mit Grundmontage, Köderfisch und Wurmbündel
  • Taktik: Montagen in der Abenddämmerung auslegen, Schnur mit Gummiband sichern, Bissanzeiger aktivieren
  • Mit dem ersten Nachteinbruch werden oft die ersten Bewegungen sichtbar: Rauben an der Oberfläche, Blasen an ungewöhnlichen Stellen. Genau hier heisst es dann: Ruhe bewahren, keine Experimente, einfach abwarten. Viele gute Bisse kommen zwischen 22 Uhr und 3 Uhr.

    2. Zanderpirsch am Stausee

  • Zeitraum: Spätsommer oder Herbst, leichte Trübung, wenig Wind
  • Spot: Steinige Uferkante mit 2–6 m Wassertiefe und einer klaren Kante
  • Aufbau: Eine Zanderrute mit Gummifisch, optional zweite Rute mit Köderfisch-Grundmontage
  • Taktik: Langsame Jig-Führung entlang der Kante, Bisse oft in unmittelbarer Ufernähe
  • Hier hat es sich bewährt, mit wenigen, aber sauber geführten Würfen zu fischen, statt planlos das Ufer abzulaufen. Setze dir gedanklich Sektoren, die du systematisch abarbeitest. Viele Zanderbisse in der Nacht sind nur ein kurzes „Tock“ – wer da pennt oder die Schnur nicht gut im Finger hat, verliert die Chance.

    Respekt vor Fisch und Gewässer

    Nachtangeln ist intensiver, ruhiger und oft deutlich erfolgreicher als tagsüber – aber es bringt auch eine höhere Verantwortung mit sich. Ruhige Buchten werden zu Schlafplätzen für Vögel, gewisse Uferabschnitte sind wichtige Rückzugszonen für Wildtiere.

    Darauf solltest du achten:

  • Kein Lärm, keine Musik, keine grellen Lichtshows am Ufer
  • Kein Feuer an sensiblen Uferbereichen, nur dort, wo es ausdrücklich erlaubt und sicher ist
  • Kein Müll – inklusive Schnurresten und Köderverpackungen
  • Sorgfältiger Umgang mit den Fischen, v.a. bei Catch & Release
  • Wer bei Nacht dauerhaft erfolgreich und willkommen sein will, verhält sich unauffällig und respektvoll. Gerade bei stark befischten Gewässern kann diese Haltung über die Zukunft der Nachtfischerei mitentscheiden.

    Wels und Zander bei Nacht in der Schweiz zu beangeln ist kein Hexenwerk – aber es erfordert Vorbereitung, gutes Material und Respekt vor Natur und Regeln. Wenn du das berücksichtigst, stehen die Chancen gut, dass du irgendwann in der Dunkelheit dieses satte, langsame Abziehen an der Rute spürst, das nur eines bedeuten kann: Da hängt jetzt etwas Grosses am anderen Ende der Schnur.