Wer in der Schweiz mit der Rute ans Wasser will, stolpert sehr schnell über Wörter wie «Patent», «SaNa» oder «Schonzeit». Für Einsteiger wirkt das Ganze oft unnötig kompliziert – und ehrlich gesagt: ganz unrecht habt ihr nicht. Aber mit etwas System ist das Thema Bewilligungen und Regeln schnell entwirrt.
In diesem Guide zeige ich dir, welche Bewilligungen du wirklich brauchst, welche Regeln du kennen musst – und wie du dich so vorbereitest, dass du beim ersten Fischereikontrollor entspannt bleiben kannst.
Warum es in der Schweiz ohne Bewilligung fast nie geht
In der Schweiz gehört fast jedes Gewässer irgendjemandem: dem Kanton, einer Gemeinde, einem Fischereiverein oder einer Kraftwerkgesellschaft. Entsprechend brauchst du in der Regel eine Erlaubnis dieses «Besitzers», um dort zu fischen.
Die wichtigsten Ziele hinter den Regeln sind:
- Schutz der Bestände (Schonzeiten, Fanglimiten, Mindestmasse)
- Tierschutz (Sachkunde, Umgang mit Fisch, Betäubung und Tötung)
- Sicherheit & Ordnung (wo, wann, womit gefischt werden darf)
Das klingt trocken, hat aber einen direkten Vorteil für dich: gut gemanagte Gewässer bieten langfristig bessere Fischbestände – und damit mehr Chancen auf Erfolg am Wasser.
Die wichtigsten Bewilligungen im Überblick
Je nach Kanton und Gewässertyp können sich die Begriffe leicht unterscheiden, aber im Grundsatz wirst du vor allem diese Formen antreffen:
- Tages- oder Kurzzeitkarte (Tagespatent, Wochenpatent)
- Jahrespatent für einen Kanton oder ein bestimmtes Gewässer
- Vereinskarte (für Vereinsgewässer)
- SaNa-Ausweis (Sachkundenachweis Fischerei)
- Patentfreies Fischen unter bestimmten Bedingungen
Schauen wir uns das genauer an.
Tagespatent, Wochenpatent & Co. – was passt für Einsteiger?
Wenn du neu anfängst oder nur gelegentlich fischst, bist du mit einem Tages- oder Kurzzeitpatent am besten bedient. Typischer Ablauf:
- Du wählst ein Gewässer (z. B. Thunersee, Rhein, Walensee)
- Du besorgst dir online oder im lokalen Verkaufspunkt ein Patent
- Du fischst innerhalb der Zeitangabe (z. B. 1 Tag, 1 Woche)
Preise variieren stark, grob als Orientierung:
- 25–60 CHF pro Tag, je nach Kanton/Gewässer
- Wochenpatente oft 80–150 CHF
Für wen geeignet?
- Einsteiger, die erst einmal testen wollen, ob das Hobby passt
- Feriengäste, Wochenendangler, Gelegenheitsfischer
Tipp aus der Praxis: Nimm für den Anfang lieber ein Tagespatent und ein klar definiertes Gewässer, statt dir gleich ein Jahrespatent zu holen. So kannst du ohne grossen Druck Erfahrungen sammeln.
Jahrespatent – wenn dich der Virus gepackt hat
Du fischst regelmässig, wohnst in der Schweiz und willst deine Hausgewässer intensiv nutzen? Dann wird ein Jahrespatent interessant.
Varianten:
- Kantonales Jahrespatent: gilt für die meisten kantonalen Gewässer
- Gewässerspezifisches Patent: z. B. nur für einen See oder Flussabschnitt
- Kombi-Patente: See + Zuflüsse, See + Fluss etc.
Preislich liegst du hier – je nach Kanton und Umfang – schnell zwischen 150 und 400 CHF pro Jahr. Für Vielangler lohnt sich das aber sehr schnell, wenn du es pro Angeltag herunterrechnest.
SaNa-Ausweis: Brauchst du den wirklich?
Der SaNa (Sachkundenachweis Fischerei) sorgt häufig für Verwirrung. Kurz gesagt: In vielen Kantonen brauchst du ihn, um ein Jahrespatent oder gewisse Patente zu bekommen. Für reine Einsteiger-Tageskarten ist er in einigen Fällen noch nicht zwingend – aber das ändert sich schrittweise.
SaNa in der Praxis:
- Dauer: meist 1 Tag Kurs
- Inhalt: Fischbiologie, Tierschutz, Umgang mit Fang, Rechtliches
- Abschluss: Test / Lernkontrolle, danach Ausweis
Brauchst du den SaNa zwingend?
- Für viele Jahrespatente: ja
- Für gewisse Tagespatente: je nach Kanton ja oder nein
- Für patentfreies Fischen: meistens nein, aber Regeln gelten trotzdem
Mein Rat: Wenn du weisst, dass du mittelfristig dranbleiben willst, mach den SaNa so früh wie möglich. Er senkt die Hemmschwelle, du verstehst die Regeln besser und vermeidest typische Anfängerfehler beim Umgang mit dem Fisch.
Patentfrei fischen: Geht das wirklich?
In der Schweiz gibt es in vielen Kantonen Möglichkeiten zum patentfreien Fischen, meist unter sehr klaren Einschränkungen. Typische Bedingungen sind:
- nur eine Rute
- nur einfache Montagen (z. B. Naturköder mit Haken ohne Widerhaken)
- nur vom Ufer, kein Boot
- limitierte Fischarten oder Stückzahlen
- gewisse Gewässer ausgeschlossen
Aber wichtig: Patentfrei heisst nicht regelfrei. Schonzeiten, Mindestmasse, Fanglimiten, tägliche Fangzahl und Tierschutzvorschriften gelten trotzdem voll.
Gerade für absolute Anfänger kann das patentfreie Fischen eine gute Möglichkeit sein, die ersten Erfahrungen zu sammeln – vorausgesetzt, du informierst dich vorgängig sauber über die kantonalen Bestimmungen (z. B. Fischereimerkblatt des Kantons).
Warum die Regeln je nach Kanton verschieden sind
Die Schweiz ist föderal organisiert, und das spürst du in der Fischerei sehr deutlich. Jeder Kanton hat sein eigenes Fischereigesetz, eigene Verordnungen, eigene Schonzeiten, eigene Mindestmasse.
Beispiele typischer Unterschiede:
- In einem Kanton darfst du mit zwei Ruten fischen, im nächsten nur mit einer.
- Die Schonzeit der Forelle kann sich um Wochen unterscheiden.
- Ein See kann in Kanton A offen, in Kanton B für Gastangler gesperrt sein.
Was bedeutet das für dich?
- Immer kantspezifisch informieren, nie einfach «Schweizer Regeln» googeln.
- Bei Grenzgewässern (z. B. Rhein, Bodensee) genau schauen, welcher Teil gilt.
- Regelheft oder Merkblatt immer mitführen, falls etwas unklar ist.
Die wichtigsten Regeln, die du wirklich kennen musst
Unabhängig vom Kanton gibt es ein paar Grundprinzipien, die praktisch überall ähnlich sind – und die du als Einsteiger unbedingt im Kopf haben solltest.
Schonzeiten und Mindestmasse
Schonzeit bedeutet: In dieser Zeit darf eine Fischart nicht gefangen (oder muss sofort wieder zurückgesetzt) werden. Typisch ist z. B. die Schonzeit der Bachforelle im Winterhalbjahr.
Mindestmass bedeutet: Fische unter einer bestimmten Länge müssen sorgfältig zurückgesetzt werden. Jede Art hat ihr eigenes Mindestmass – z. B. Forelle 24 cm in einem Kanton, 26 cm im anderen (nur als Beispiel).
Für dich als Einsteiger heisst das:
- Vor dem Fischen Liste der Schonzeiten und Mindestmasse studieren
- Ein Messgerät (Massstab) immer dabeihaben
- Niemals auf «Pi mal Daumen» schätzen – das gibt schnell Ärger
Fanglimiten und Tageskontingente
Viele Kantone beschränken, wie viele Fische du pro Tag und pro Jahr entnehmen darfst. Häufig sind die «wertvollen» Arten wie Forelle, Felchen, Hecht oder Zander limitiert.
Beispiel (vereinfacht):
- max. 6 Salmoniden pro Tag
- max. 2 Hechte pro Tag
- Jahresobergrenze für einzelne Arten
Kontrolliert wird das unter anderem über Fangstatistiken, die du gewissenhaft ausfüllen musst. Wenn die Kontrolle dich fragt, wie viele Fische du schon entnommen hast, solltest du das belegen können – nicht raten.
Geräte- und Köderregeln
Auch beim Material gibt es Einschränkungen, die du kennen solltest:
- maximale Anzahl Ruten gleichzeitig
- ob Widerhaken erlaubt sind oder nicht
- ob lebende Köderfische erlaubt sind (oft streng reglementiert)
- Verbot bestimmter Köder (z. B. Mais in Salmonidengewässern, je nach Kanton)
- Bootsregeln: Motorboot, Belly Boat, Echolot usw.
Pragmatischer Tipp: Für Einsteiger reicht eine einfache, saubere Grundausrüstung mit klarer Zielart. Versuche nicht, bei der ersten Tour die ganze Köderkiste mitzunehmen. So verlierst du weniger Zeit und machst weniger Fehler.
Tierschutz: Wie du mit dem Fang richtig umgehst
Die Schweiz hat ein relativ strenges Tierschutzgesetz. Das betrifft vor allem:
- Betäubung und Tötung des Fisches
- Catch & Release (Rücksetzen) – rechtlich nur in bestimmten Situationen zulässig
- Vermeidung unnötiger Leiden (z. B. Fisch nicht minutenlang im Gras zappeln lassen)
Als Einsteiger solltest du dir vor dem ersten Angeltag ganz konkret überlegen:
- Wie betäube ich den Fisch korrekt?
- Wie töte und blute ich ihn fachgerecht aus?
- Wie lagere ich ihn anschliessend kühl und sauber?
Genau diese Punkte werden im SaNa-Kurs intensiv behandelt – ein weiterer Grund, wieso ich den Kurs früh empfehle.
Was passiert bei einer Fischereikontrolle?
Kontrollen sind in der Schweiz normal und nichts, wovor du Angst haben musst – wenn du deine Hausaufgaben machst.
Die Kontrolleure (Fischereiaufseher) prüfen in der Regel:
- Ob du ein gültiges Patent dabei hast
- Ob du Ausweis und SaNa (falls nötig) mitführst
- Dein Gerät (z. B. Anzahl Ruten, Haken, Montage)
- Deinen Fang (Art, Anzahl, Mindestmass, Schonzeit)
- Ob du Fangstatistik und Patent korrekt ausfüllst
Trittst du freundlich auf, bist auskunftsfähig und hast deine Unterlagen griffbereit, sind Kontrollen meistens nach wenigen Minuten erledigt. Probleme gibt es vor allem dort, wo jemand «nichts gewusst haben will» – das zählt in der Praxis selten als Ausrede.
Typische Einsteiger-Szenarien – und was du brauchst
Um das Ganze greifbarer zu machen, hier ein paar typische Situationen aus der Praxis.
Szenario 1: Du willst im Sommerferien eine Woche in einem Berghotel fischen
- Check beim Hotel oder Tourismusbüro: welche Gewässer, welche Patente?
- Wahrscheinlich brauchst du: Wochenpatent oder mehrere Tagespatente
- SaNa: je nach Kanton eventuell nötig, Infos beim Patentverkaufspunkt
Szenario 2: Du wohnst in der Schweiz und willst regelmässig an deinem Hausfluss fischen
- Konkret abklären: Kantonale Fischereibehörde oder Website
- SaNa-Kurs machen (falls noch nicht vorhanden)
- Jahrespatent oder Vereinsmitgliedschaft prüfen
Szenario 3: Du willst mit deinen Kindern mal ans Wasser «schnuppern»
- Patentfreie Möglichkeiten im Kanton prüfen (oft ideal zum Einstieg)
- Oder: einfache Tageskarte für ein übersichtliches Gewässer holen
- Kinder altersgemäss instruiert, auch sie müssen Regeln kennen
Wie und wo du an verlässliche Informationen kommst
Der grösste Fehler von Einsteigern: sie verlassen sich auf halbgare Infos aus Foren oder Social Media. Besser ist:
- Offizielle Kantonswebseiten (Fischerei / Jagd / Natur)
- Lokale Fachgeschäfte – die wissen oft sehr genau, was gilt
- Fischereivereine vor Ort
- SaNa-Kurse und deren Unterlagen
Viele Kantone stellen heute digitale Merkblätter oder Apps zur Verfügung, in denen du:
- Schonzeiten und Mindestmasse nachschauen
- Gewässerkarten studieren
- Patente online lösen
Speichere dir die wichtigsten Dokumente als PDF auf dem Handy – so bist du auch ohne Empfang am Wasser informiert.
Praktische Checkliste für deinen ersten Angeltag in der Schweiz
Zum Abschluss eine kompakte Liste, die du vor deinem ersten Trip durchgehen kannst:
- Hast du das richtige Patent für das richtige Gewässer und Datum?
- Falls nötig: SaNa-Ausweis eingepackt?
- Weisst du, welche Arten im Gewässer vorkommen und welche du fangen darfst?
- Kennst du Schonzeiten, Mindestmasse und Fanglimiten?
- Ist dein Gerät (Anzahl Ruten, Haken, Köder) konform mit den Regeln?
- Hast du eine Messeinrichtung für die Fische dabei?
- Weisst du, wie du einen Fisch tiergerecht betäubst und tötest?
- Hast du eine Kühlmöglichkeit für deinen Fang (Kühltasche, Eisakku)?
- Führst du deine Fangstatistik sauber und lesbar?
Wenn du diese Punkte abhaken kannst, bist du für deinen Einstieg in die Schweizer Fischerei gut gerüstet. Der Rest kommt mit der Erfahrung: jedes Gewässer hat seinen eigenen Charakter, jede Region ihre Eigenheiten – aber das Grundgerüst aus Bewilligungen und Regeln bleibt ähnlich.
Und ja: Am Anfang fühlt sich das alles nach viel Theorie an. Spätestens wenn du aber mit ruhigem Gewissen und gültigem Patent am See sitzt, die Rute auslegst und der erste Fisch einsteigt, merkst du sehr schnell, wofür sich der Aufwand gelohnt hat.
