Anglerurlaub Schweiz

Die schönsten fliegenfischer-reviere in den schweizer alpen

Die schönsten fliegenfischer-reviere in den schweizer alpen

Die schönsten fliegenfischer-reviere in den schweizer alpen

Fliegenfischen in den Schweizer Alpen hat etwas Ehrliches: klares Wasser, kurze Saisons, wechselhaftes Wetter – und Forellen, die genau merken, ob man seine Sache versteht. Wer bereit ist, ein paar Höhenmeter zu machen, wird dafür mit Gewässern belohnt, die zu den schönsten Europas gehören. In diesem Artikel stelle ich einige der attraktivsten Fliegenfischer-Reviere in den Schweizer Alpen vor – mit Fokus auf Praxis: Zugang, typische Bedingungen, passende Methoden und Ausrüstung.

Was ein gutes Fliegenfischer-Revier in den Alpen ausmacht

Bevor wir in konkrete Regionen einsteigen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Kriterien. Denn nicht jeder Bergbach ist automatisch ein Top-Revier für Fliegenfischer.

Aus meiner Sicht sind vor allem folgende Punkte entscheidend:

All diese Punkte finden sich – in unterschiedlicher Ausprägung – in den folgenden Revieren wieder.

Engadin: Inn, Nebenflüsse und Bergseen

Das Oberengadin ist für Fliegenfischer so etwas wie ein natürlicher Spielplatz. Weite Hochtäler, gute Erreichbarkeit und sehr unterschiedliche Gewässertypen auf engem Raum.

Inn im Oberengadin

Zwischen Sils und Zernez zeigt der Inn viele Gesichter: breite Kiesbänke, enge Rinnen, tiefe Gumpen. Wer sich Zeit nimmt und Stück für Stück Strecke macht, findet immer wieder Hotspots.

Typisch für diesen Abschnitt:

Ich habe am Inn schon Abende erlebt, an denen das Wasser fast kochte – kleine Eintagsfliegen-Schwärme, steigende Fische alle paar Meter. Wer da mit der Trockenfliege sauber präsentiert, hat seine Hände schnell voll.

Nebenbäche: Flaz, Ova da Roseg & Co.

Die kleineren Seitengewässer im Engadin sind ideal für alle, die das feine Fischen mögen:

Hier zählt Präzision mehr als Weite. Ein sauber platzierter 6–8er Trockenfliegen-Muster in einer kleinen Rinne bringt oft mehr Fisch als 20 Meter Wurf im Hauptstrom.

Engadiner Bergseen

Im Engadin liegen zahlreiche Seen auf 1800–2600 m ü.M. mit Saiblingen und Forellen. Für Fliegenfischer interessant sind vor allem:

Praktischer Tipp: In höheren Lagen startet die Saison oft später. Selbst im Juli kann das Wasser noch sehr kalt sein. Dann lohnt sich die Nymphe deutlich mehr als die Trockenfliege.

Berner Oberland: Haslital, Grimselregion und Oberlauf der Aare

Das Berner Oberland bietet eine beeindruckende Kulisse – und Reviere, in denen man leicht vergisst, dass man „nur“ in der Schweiz ist und nicht in Skandinavien oder Kanada.

Oberlauf der Aare im Haslital

Oberhalb von Innertkirchen wird die Aare zum klassischen Alpenfluss mit hohem Gefälle, grossen Blöcken und tiefen Gumpen.

Ich erinnere mich an einen halben Tag im feinen Nieselregen: Kaum Leute draussen, Wasser leicht angetrübt, und jede tiefe Kante brachte Fischkontakt – aber nur mit beschwerten Nymphen direkt am Grund.

Grimsel-Region: Stauseen und Zuflüsse

Die Stauseen und Zuflüsse rund um den Grimselpass sind technischer als sie aussehen. Wind, wechselnde Wasserstände und raues Wetter sind eher die Regel als die Ausnahme.

Dafür gibt es hier:

Bei starkem Wind lohnt sich oft ein Wechsel auf schwere Nymphen am langen Vorfach und das sogenannte „Polish Nymphing“ in Ufernähe – keine weiten Würfe, dafür Kontrolle über die Drift.

Wallis: Rhonequellen, Vispa und Hochtäler

Das Wallis ist trocken, sonnig und auf den ersten Blick nicht unbedingt als Fliegenfischer-Paradies bekannt. Wer genauer hinschaut, findet aber fantastische Reviere in abgelegenen Seitentälern.

Rhonequellen-Gebiet

Zwischen Gletsch und Oberwald fliesst die junge Rhone durch ein breites Tal mit abwechslungsreicher Struktur:

Hier ist eine stabile Wathose ebenso wichtig wie eine gewisse Demut vor der Strömung. Waten nur dort, wo man sich wirklich sicher fühlt – die Rhone verzeiht keine Leichtsinnsfehler.

Vispa und Seitentäler (Mattertal, Saastal)

Die Vispa und ihre Zuflüsse sind klassische Bergbäche, die besonders im Spätsommer und Herbst interessant werden, wenn der Schmelzwasser-Einfluss nachlässt.

Wer hier mit einer feinen 3er-Rute, 0.12–0.14er Vorfach und kleiner Adams unterwegs ist, erlebt oft aktives Fischen mit zahlreichen Bissen. Die Fische sind selten gross – aber wild und wunderschön gezeichnet.

Graubünden: Alpenrhein, Hinterrhein, Landwasser & Co.

Graubünden ist gross, vielfältig und fischereilich sehr unterschiedlich geregelt. Für Fliegenfischer sind insbesondere die mittleren und oberen Abschnitte der grossen Flüsse spannend.

Hinterrhein und Oberalpenrhein

Beide Flüsse bieten sehr abwechslungsreiche Abschnitte mit gut erreichbaren Ufern.

Mit einer 9 ft #4–#5 Rute, schwimmender Schnur und einer Box voll Nymphen (Pheasant Tail, Hare’s Ear, Köcherfliegen-Imitationen) ist man hier gut ausgerüstet. Wer das moderne Nymphenfischen mit langer Vorfachspitze beherrscht, kann diese Flüsse sehr effizient „lesen“.

Landwasser und Seitentäler

Rund um Davos und im Landwassertal finden sich zahlreiche Bäche und kleinere Flüsse, die ideal für eine Kombination aus Wanderung und Fliegenfischen sind.

Spannend sind hier vor allem die Übergangsphasen: Früher Sommer, wenn das Schmelzwasser langsam zurückgeht, und der Frühherbst, wenn die Tage kürzer werden und die Fische noch einmal richtig aktiv fressen.

Zentralschweiz: Reuss-Oberlauf und alpines Kleinwasser

Wer nicht bis an den Rand der Schweiz fahren möchte, findet auch in der Zentralschweiz einige sehr interessante Reviere. Besonders der Oberlauf der Reuss und gewisse Bergbäche haben es in sich.

Urner Reuss und Oberlauf

Die Reuss im Kanton Uri bietet in ihren oberen Abschnitten eine Mischung aus schnell fliessendem Wildbach und ruhigeren Zügen.

Hier funktioniert ein klassischer Ansatz: Vormittags und bei höherem Wasserstand mit Nymphen und kleinen Streamern tief fischen, abends bei schwindendem Licht auf Trockenfliege umstellen.

Kleine Bergbäche an Susten, Gotthard & Co.

An den grossen Alpenpässen der Zentralschweiz verlaufen zahlreiche kleine Bäche, die zwar auf der Karte unscheinbar wirken, fischereilich aber viel Spass machen.

Wer hier mit polariserter Brille, dunkler Kleidung und etwas Geduld ans Wasser geht, lernt viel über Standplätze und Fischverhalten – Lektionen, die sich später an grösseren Flüssen auszahlen.

Ausrüstung und Taktik für alpine Fliegenfischer-Reviere

Die Frage, welche Ausrüstung man in den Alpen braucht, höre ich regelmässig. Man kann es unnötig kompliziert machen – muss man aber nicht.

Ruten und Schnüre

Vorfach und Fliegen

Taktik

Regeln, Sicherheit und Ethik im alpinen Gelände

So romantisch es klingt: Die Alpen sind kein Freizeitpark. Wer hier fischt, trägt Verantwortung – für sich selbst und für das Gewässer.

Regelungen und Lizenzen

Sicherheit

Umgang mit dem Fischbestand

Wer alpine Reviere respektvoll behandelt, sorgt dafür, dass sie auch in zehn oder zwanzig Jahren noch so fischreich und attraktiv sind wie heute.

Ob Engadin, Wallis, Berner Oberland oder Graubünden: Die schönsten Fliegenfischer-Reviere in den Schweizer Alpen sind nicht immer die, die im Reiseführer stehen. Oft lohnt sich ein Blick auf die Karte, ein Gespräch mit der lokalen Fischereiaufsicht – und die Bereitschaft, auch mal einen zusätzlichen Kilometer zu Fuss zurückzulegen. Die Belohnung wartet dann meist hinter der nächsten Biegung: ein klarer Gumpen, ein steigender Fisch – und der Moment, in dem die Trockenfliege leise verschwindet.

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