Warum die Schweiz ein Forellenparadies ist
Wer in der Schweiz auf Forellen fischen will, hat ein Luxusproblem: Die Auswahl an hervorragenden Gewässern ist riesig. Vom glasklaren Bergbach über tiefe Stauseen bis zu strukturreichen Flussläufen – hier findet jede und jeder ein passendes Revier. Gleichzeitig ist die Schweizer Fischerei stark kantonal geregelt und manchmal auf den ersten Blick unübersichtlich.
In diesem Beitrag zeige ich dir konkrete Forellen-Hotspots in der Schweiz, die sich besonders gut für ein Fischerwochenende eignen – inklusive praktischer Infos zu Saison, Methoden, Zugang und Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe. Keine Hochglanzromantik, sondern ehrliche Einschätzungen aus der Praxis.
Regeln & Planung: Was du vor dem Forellenwochenende klären musst
Bevor wir in die Gewässer einsteigen, ein kurzer Blick auf das Notwendige. Ein spontaner Trip ohne Vorbereitung endet in der Schweiz schnell mit Frust – oder einer Busse.
Worauf du achten solltest:
- Fischerpatent: Fast alle Kantone verlangen ein Patent (Tages-, Wochen- oder Jahrespatent). Infos findest du auf den Websites der kantonalen Fischereiverwaltungen.
- SaNa-Ausweis: In vielen Kantonen brauchst du den Sachkundenachweis (SaNa), um ein Patent zu lösen. Prüfe das frühzeitig.
- Saisonzeiten: Die Schonzeiten für Bachforelle (und Seeforelle) variieren stark nach Kanton und Gewässer. Häufig ist von März/April bis September/Oktober offen, aber es gibt viele Ausnahmen.
- Schonmasse & Fanglimiten: Üblich sind 22–26 cm Schonmass für Bachforellen, teils höher. Fanglimiten sind oft 5–10 Salmoniden pro Tag – je nach Gewässertyp.
- Fangmethoden: Naturköder, Kunstköder, Einzelhaken, Widerhaken angedrückt? Die Regeln sind kantonal und teils gewässerspezifisch geregelt.
Tipp aus der Praxis: Ich speichere mir vor jedem Trip das kantonale Merkblatt als PDF aufs Handy und markiere mir die wichtigsten Punkte. Das erspart Diskussionen am Wasser.
Aare im Berner Oberland: Strukturreicher Fluss für aktive Forellenfischer
Die Aare im Berner Oberland ist für mich einer der spannendsten Flüsse für Forellen in der Schweiz. Zwischen Thunersee und Bern findest du abwechslungsreiche Strecken mit Rauschen, Gumpen und ruhigeren Zügen – ideal fürs aktive Spinn- oder Fliegenfischen.
Warum sich ein Wochenende hier lohnt:
- Gut zugängliche Uferbereiche – auch für Einsteiger geeignet.
- Vielfältige Forellenbestände, teils mit Seeforellenaufstieg.
- Grosse Auswahl an Unterkünften (Camping, Pensionen, Hotels) in Thun, Spiez, Interlaken.
Beste Abschnitte für Forellen:
- Strecke Thun – Uttigen: Mischgewässer mit Forellen, Alet und teils Barben, viele schöne Forellenstände an Steinpackungen und Einläufen.
- Oberhalb Thunersee (Lütschine, Kander-Mündungsbereiche): Deutlich kälter und strömungsstärker, ideal im Sommer.
Methoden & Köder:
- Leichte Spinnrute (5–15 g), 0.18–0.22er Fluorocarbon-Vorfach.
- Kleine Wobbler (3–5 cm), Spinner Grösse 1–3, 5–7 cm Gummifische in natürlichen Farben.
- Fliege: Nymphen (Pheasant Tail, Hare’s Ear), kleine Streamer in Oliv/Braun.
Meine Erfahrung: An trüben Tagen und leicht erhöhtem Wasserstand steigen die Chancen auf kapitale Forellen deutlich. Wichtig ist dann, die Köder tief und langsam zu führen und nur wirklich fischbare Bereiche zu befischen – die Strömung kann hier kräftig sein.
Alpine Bergbäche in Graubünden: Kleine Gewässer, grosse Erlebnisse
Wenn du Forellenfischen mit Bergpanorama kombinieren willst, kommst du an Graubünden kaum vorbei. Zahlreiche Seitentäler bieten glasklare Bergbäche mit natürlichem Forellenbestand – perfekt für ein verlängertes Wochenende im Sommer.
Typische Regionen mit spannenden Bächen:
- Prättigau (z. B. Bäche rund um Klosters und Davos)
- Oberengadin (Seitengewässer des Inns, z. B. Innschlaufen, Val Bever)
- Rheintal-Seitentäler (Safiental, Val Lumnezia, Surselva)
Was diese Bäche auszeichnet:
- Hohe Fischdichte an kleineren Forellen – ideal für aktive Fischerei mit vielen Bissen.
- Schnelle, strukturreiche Läufe mit Gumpen, Felsblöcken und Unterspülungen.
- Oft einfacher Zugang ab Bergstrassen oder Wanderwegen, aber teilweise steile Ufer.
Ausrüstung & Technik:
- Kurze, leichte Spinn- oder Fliegenrute (1,80–2,10 m).
- Kleine Spinner (Grösse 0–1), Mini-Wobbler, Trockenfliegen und Nymphen.
- Wathose ist selten nötig, Watstiefel oder robuste Trekkingschuhe reichen oft.
Ein persönlicher Tipp: In stark befischten Bächen läufst du weiter als die meisten anderen. Die ersten 500–800 m ab der Strasse sind oft ausgelutscht. Wer eine Stunde bachaufwärts geht, fängt häufig deutlich besser – und hat den Bach manchmal für sich allein.
Inn im Engadin: Fliegenfischer-Revire mit Anspruch
Der Inn im Engadin ist ein Klassiker unter den schweizerischen Forellengewässern, besonders für Fliegenfischer. Die regulierten, aber trotzdem naturnahen Strecken um Zuoz, Zernez und Scuol bieten spannende Pools, Runs und Rauschen mit unterschiedlicher Tiefe.
Was dich hier erwartet:
- Guter Bestand an Bachforellen, vereinzelt Regenbogenforellen.
- Relativ klares Wasser – Sichtfischen ist oft möglich.
- Stellenweise starker Fischereidruck: vorsichtige, selektive Fische.
Beste Zeit: Juni bis September, abhängig vom Schmelzwasser. Im Frühsommer kann der Inn stark angeschwollen sein – dann sind Nebengewässer und ruhigere Abschnitte spannender.
Fliegenmuster, die sich bewährt haben:
- Nymphen: Pheasant Tail, Copper John, kleine Tungsten-Nymphen in Naturfarben.
- Trocken: CDC-Sedges, klassische Mayflies (Grösse 14–18), kleine terrestrials.
- Streamer: Sparsam einsetzen, vor allem in tieferen Runs bei trübem Wasser.
Unterkünfte für ein Wochenende findest du in praktisch jedem Engadiner Dorf: von einfachen Pensionen bis hin zu Hotels mit Angler-Erfahrung. Einige Unterkünfte kennen die Patentstellen und geben dir gleich die wichtigsten Infos mit – nachfragen lohnt sich.
Bielersee & Zihlkanal: Kombi aus See- und Flussforellen
Wer Forellenfischen gerne mit etwas Komfort verbindet, ist am Bielersee gut aufgehoben. Du hast hier die Wahl zwischen Bootsfischerei auf Seeforellen und Uferfischerei im Zihlkanal und den Zuflüssen, z. B. der Schüss (Suze).
Bielersee: Seeforellen sind anspruchsvoll, aber jeder Kontakt ist ein Highlight. Besonders in den Übergangszeiten (Frühjahr/Herbst) stehen die Fische oft näher am Ufer.
- Methode: Schleppen mit Wobblern, Blinkern oder Naturködern.
- Zielbereiche: Kanten, Flussmündungen, Tiefenlinien von 10–25 m.
Zihlkanal & Zuflüsse: Deutlich zugänglicher für ein Wochenendprojekt, besonders für Fussgänger.
- Strömungsreiche Bereiche mit Steinpackungen abfischen.
- Leichte Spinnausrüstung, kleine Hardbaits und Spinner.
- Früh morgens und spät abends sind die besten Beisszeiten.
Übernachtungstechnisch ist die Region um Biel, Twann und Ligerz ideal: zahlreiche Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze direkt am See. Viele Unterkünfte sind an Fischer gewohnt – nasse Wathosen und Ruten im Gang sind dort kein Problem.
Reuss im Kanton Uri & Zug: Abwechslungsreiche Flussforellen-Strecken
Die Reuss bietet auf verschiedenen Abschnitten sehr interessante Möglichkeiten auf Forellen. Besonders die Strecken im Urner Reusstal und rund um den Zugersee sind für ein Wochenende gut planbar.
Urner Reuss:
- Schneller, steiniger Fluss mit vielen Rauschen und Gumpen.
- Ideal für aktive Spinnfischer mit leichter bis mittlerer Ausrüstung.
- Vorsicht: Strömung beachten, Waten nur mit Erfahrung und geeigneter Ausrüstung.
Reuss bei Zug:
- Etwas ruhiger, mit wechselnden Tiefen und schöner Uferstruktur.
- Guter Bestand an Bachforellen, Seeforellen-Aufsteiger möglich.
- Teilweise städtische Umgebung – praktischer Zugang, aber auch mehr Publikum.
Praktischer Vorteil: Die Region ist mit ÖV gut erschlossen. Wer ohne Auto unterwegs ist, findet entlang der Reuss zahlreiche Einstiegsstellen in Gehweite zu Bahnhöfen oder Bushaltestellen. Das macht spontanes Spot-Hopping am Wochenende sehr angenehm.
Jura-Gewässer: Doubs & Co. für anspruchsvolle Forellenfischer
Die Juraregion mit dem Doubs (Grenzfluss zu Frankreich) und kleineren Kaltwasserbächen ist kein Massengebiet für Forellenangler – aber genau das macht ihren Reiz aus. Hier geht es eher um Qualität als Quantität.
Doubs:
- Breiter, langsam fliessender Fluss mit tiefen Gumpen und kiesigen Runs.
- Berühmt für grosse Salmoniden, aber auch sensibel und schutzbedürftig.
- Fischerei oft stark reguliert, teils spezielle Zonen und Beschränkungen.
Für ein Wochenende empfiehlt sich, gezielt eine Doubs-Strecke auszusuchen und die lokalen Regelungen sehr genau zu studieren. Viele gute Abschnitte sind mit dem Auto gut erreichbar, aber die Fische sind vorsichtig – leichte Montagen, sauberes Werfen und unauffälliges Verhalten sind Pflicht.
Im Hinterland des Juras finden sich zudem kleinere Bäche mit gutem Forellenbestand. Sie sind oft wenig bekannt, aber empfindlich gegenüber Überfischung. Hier gilt: Massvoll entnehmen, besser selektiv fischen und auch mal bewusst Fische zurücksetzen – das sichert den Bestand langfristig.
Bergseen in den Alpen: Forellen mit Panorama-Bonus
Viele Schweizer Bergseen sind mit Forellen (und Saiblingen) besetzt und bieten hervorragende Bedingungen für ein Fischerwochenende mit Wandercharakter. Der Fokus liegt hier weniger auf Mengenfang, eher auf Atmosphäre – und ab und zu einem richtig schönen Fisch.
Typische Regionen mit guten Bergseen:
- Berner Oberland (z. B. Engstlensee, Oeschinensee – je nach Reglement und Jahreszeit sehr interessant).
- Zentralschweiz (Stoos, Melchsee-Frutt, Bannalpsee).
- Graubünden (diverse Stauseen und natürliche Bergseen oberhalb der Baumgrenze).
Methoden:
- Spinnfischen vom Ufer mit leichten Blinkern, kleinen Wobblern und Spoons.
- Naturköder (Wurm, Bienenmade) mit Posen- oder Grundmontage – je nach Reglement.
- Beim Bootsverleih: Schleppen mit Blinkern oder Wobblern in Ufernähe.
Ein praktischer Vorteil für Wochenendtouren: Viele dieser Seen haben Berghotels, Gasthäuser oder einfache Hütten in unmittelbarer Nähe. Wer früh genug bucht, kann direkt am Wasser übernachten und ist bei Morgengrauen der Erste am See.
Unterkünfte für ein gelungenes Fischerwochenende
Der beste Spot nützt wenig, wenn du abends ewig fahren musst oder deine nassen Watsachen im Hotel ein Problem sind. Bei der Wahl der Unterkunft achte ich auf drei Punkte:
- Gewässernähe: Maximal 15–20 Minuten Anfahrt zum ersten Spot.
- Flexible Essenszeiten: Frühaufsteher-Frühstück oder zumindest eine Lösung (Lunchpaket, Küche, Selbstversorgung).
- Fischerfreundlichkeit: Platz für Ruten, Wathose, eventuell Gefriermöglichkeit für Fang (falls erlaubt und gewünscht).
Viele kleineren Hotels, Pensionen und B&Bs in klassischen Tourismusregionen (Berner Oberland, Engadin, Zentralschweiz) sind an Fischer gewöhnt. Ein kurzer Hinweis bei der Buchung („Wir kommen zum Fischen, brauchen etwas Platz für Ausrüstung“) klärt vieles im Voraus.
Praktische Tipps, um an neuen Gewässern schneller zum Fisch zu kommen
Neue Forellengewässer haben immer eine Lernkurve. Du kannst sie aber deutlich verkürzen, wenn du strukturiert vorgehst.
So mache ich es an einem neuen Fluss oder Bach:
- Erste Stunde: Strecke machen, möglichst viele Spots anschauen, nur offensichtliche Hotspots befischen.
- Danach: Die zwei, drei vielversprechendsten Bereiche intensiver bearbeiten.
- Abends: Kurz notieren, wo Aktivität war (Steinpackungen, Einläufe, Gumpen) – das hilft für den nächsten Tag oder den nächsten Trip.
Allgemeine Faustregeln für Forellen in der Schweiz:
- Früh morgens und spät abends sind fast immer die besten Zeiten.
- Leicht angetrübtes Wasser ist oft besser als glasklar.
- Grosse Forellen stehen selten „schön sichtbar“ – eher tief, unter Wurzeln, in Unterspülungen oder vor/ hinter grösseren Steinen.
- Lieber weniger Spots intensiv befischen als alle 50 m weiterziehen.
Und noch etwas, das man ungern zugibt: An unbekannten Gewässern lohnt es sich, kurze Gespräche mit Einheimischen (anderen Fischern, Wirten, Ladenbesitzern) zu suchen. Oft reicht ein kleiner Hinweis („Oberhalb der Brücke ist es besser“), um aus einem mittelmässigen Tag ein starkes Wochenende zu machen.
Dein nächstes Forellenwochenende in der Schweiz planen
Die Schweiz bietet für fast jeden Geschmack das passende Forellenrevier: vom leicht zugänglichen Fluss mit guter Infrastruktur bis zum abgelegenen Bergbach, der nur nach einem Marsch erreichbar ist. Entscheidend ist, dass du deine Erwartungen an das Gewässer anpasst.
Wenn du viele Bisse und viel Action willst, such dir eher kleinere Bäche und strukturreiche Flüsse. Wenn du bereit bist, für wenige, dafür grössere Fische zu arbeiten, sind grössere Flüsse, Seen und bestimmte Jura-Gewässer die bessere Wahl.
Starte mit einer Region, in der du neben dem Fischen auch eine gute Basis findest: Patentstelle in der Nähe, vernünftige Unterkunft, erreichbar mit Auto oder ÖV – und mindestens zwei bis drei alternative Gewässer in kurzer Distanz. So bleibst du flexibel, falls Wasserstand, Wetter oder Beisslaune nicht mitspielen.
Am Ende sind es oft nicht die perfekten Bedingungen, die ein Wochenende unvergesslich machen, sondern die Kombination aus Gewässer, Umfeld, den kleinen Erfolgen – und dem Moment, wenn die Forelle im klaren Schweizer Wasser zum Köder hochschiesst. Genau für diese Augenblicke lohnt sich die Planung.
